Media, Religion and Public Scholarship

Anthea Butler beim Vortrag
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Das Thema des wissenschaftlichen Ethos begegnete mir im August in den Vereinigten Staaten wieder: In Boulder konnte ich an der dortigen University of Colorado an der Konferenz „Media, Religion and Public Scholarship“ der International Society for Media, Religion and Culture (ISMRC) teilnehmen. Die Keynotes der Konferenz kreisten alle um die Frage, welche Rolle das Wissen und die Wissenschaft in Zeiten von Wut und zunehmender Polarisierung spielen. Die Erosion des Vertrauens in die etablierten Expertensysteme hat sich zu einem Angriff auf das professionelle Wissen ausgewachsen.

Neben den Fachdiskursen zu einzelnen Forschungsthemen (Religiosität im digitalen Raum, Religiöse Aspekte von Videospielen, Mediale Darstellung des Islam in Skandinavien usw.) waren deshalb die Diskussionen auf der Konferenz von der Frage beherrscht, ob und wie sich Wissenschaftler*innen* im öffentlichen Raum politisch engagieren sollen. Den Ton der Debatte setzte Anthea Butler von der University of Pennsylvania mit ihrem Beitrag „Religion and Public Scholarship in the Age of Anger“. Auf ihre Weise lieferte sie damit einen Beitrag zu einer von deutscher Seite auch auf den Fachpanels vertretenen Thematik: der Diskussion um das Thema „Öffentliche Theologie“.

Für einen kritischen Tweet hatte Butler im Jahr 2012 auf Twitter einen äußerst heftigen Shitstorm geerntet. Trotz aller Anfeindungen entschied sie sich dazu, danach wieder und weiter auf Twitter aktiv zu bleiben. Gerade im Feld von Kirche und Religion sei  es für eine aufgeklärten Glauben und eine kritische Theologie wichtig, sich öffentlich zu Wort zu melden. Denn Religion sei auch heute weltweit oft im Zentrum vieler gesellschaftlicher Verschiebungen und politischer Auseinandersetzungen. Umso wichtiger sei es deshalb, sich nicht vornehm in falsch verstandener wissenschaftlicher Neutralität zurückzuhalten, sondern sich in die gesellschaftlichen Diskurse einzumischen.

Dass das auch seinen Preis hat und dazu führt, dass man auf manche Bequemlichkeit verzichten muss, unterstrich neben Anthea Butler auch die kanadische Forscherin und Aktivistin Merlyna Lim aus Ottawa mit zahlreichen kreativen Beispielen dafür, wie digitale Medien für kollektive Aktionen genutzt werden können. Was das Thema "Public Scholarship"  für die Arbeit der ISMRC bedeutet, reflektierte beim abschließenden Bankett der Tagung deren Präsidentin Mia Lövheim aus Uppsala: Forschung ist heute nicht einfach nur ein internationaler und kollaborativer Prozess, sondern immer auch Aktion und Handeln im gesellschaftlichen und politischen Raum, gerade auch an der Kreuzung von Medien und Religion!