rePublica18 - (m)eine Nachlese

Marktplatz auf der rp18
Bildrechte: T.Z.

Anfang Mai hieß es für mich zum ersten Mal: rePublica. Die Auswahl aus einer Fülle von Themen und Veranstaltungen, der bunte Marktplatz in der Mitte des Veranstaltungsortes, durchgehende Farbe (grün) und gemeinsames Motto (POP) erinnerten mich an die Atmosphäre bei Kirchentagen. Über wichtige Themen und rote Fäden der rePublica 2018 ist schon viel geschrieben worden, auch aus kirchlicher Sicht, z.B. von Hanno Terbuyken auf evangelisch.de, von Rieke Harmsen im Sonntagsblatt und von Christof Breit im Social Media Blog der ELKB.

Das Schöne an der rp ist: dank digitaler Technik ist es ein Leichtes, interessante Veranstaltungen (noch einmal) als Podcast anzuhören – oder als Video anzusehen. Das funktioniert auch dann, wenn man nicht dabei war. In diesem Sinne hier also mein Best of #rp18, verbunden mit der Anregung, selbst in den einen oder anderen Vortrag reinzusehen oder reinzuhören:

a) In ihrer Keynote „How an Algorithmic World Can Be Undermined“  zeigte Danah Boyd, wie digitale Technologien als Verstärker unheilvoller gesellschaftlicher Entwicklungen und politischer Interessen wirken. Eindrücklich ihr mit Bezug auf Hannah Arendt formuliertes Plädoyer, das gesellschaftliche Ökosystem im Zusammenspiel von Marktdynamik, Gesetzen, Normen und sozialer Architektur zu gestalten und nicht einer dieser Größen allein zu überlassen. Zum Nachhören bitte hier klicken.

b) Mein zweites Vortragshighlight war Bernhard Pörksens Relektüre der Rede von Filterblasen und Echokammern. Unter der Überschrift „Filter Clash. Die große Gereiztheit der vernetzten Welt“ entfaltete der Tübinger Medienwissenschaftler anschaulich die These seines gleichnamigen aktuellen Buches: Die digitale Vernetzung produziere immer mehr Unterschiede, die einzelnen Milieus würden nicht einfach nebeneinander leben, sondern gegenseitig aufeinanderprallen. Spannend fand ich die Wendung, die Pörksen als Vertreter eines systemischen Kommunikationsverständnisses seinem Vortrag zum Ende mit der Forderung einer „Rehumanisierung der Theorie“ gab: „Ich glaube im letzten müssen wir von uns selbst sprechen.“ Hier klicken zum Nachhören.
 
c) Eine ganze Reihe von Veranstaltungen der diesjährigen rePublica widmete sich den Potentialen der Blockchain-Technologie. Die Diskussion „Blockchain: A Disruptive Technology for Global Economic Inclusion?“ zeigte im Gespräch von Aktivisten aus allen Kontinenten, wie die dezentrale Technologie zur Entwicklung direkter Geschäftsbeziehungen beiträgt: sowohl im Handel mit Diamanten in Afrika wie in der Entwicklung von Handel und Warenverkehr in ländlichen Gegenden Nepals (vgl. für dort als Projektwebseite: sikka.me). Es lohnt sich, die Beispiele anzuhören!

d) Wie die digitale Sprache heute Begriffe auch für analoges Handeln bereitstellt, zeigte Lars Zimmermanns Beitrag „Why & How to Hack Cities for Sustainability“: Wo ich mir unter dem Titel Hinweise auf die Chancen und Probleme digitaler Technik für die Stadtplanung o.ä. erwartete, bekam ich ganz analoge Beispiele kreativer „Umwidmungen“ von Parkplätzen oder Pflasterstreifen im öffentlichen Raum zu sehen. Merke: Was unsereins früher „ziviler Ungehorsam“ nannte, heißt heute „Live Hack“. Die Beispiele dafür zeigt das Video zum Vortrag.

Neue Kontexte und Verknüpfungen: die rePublica als Markt der Begegnung unterwegs zu einer Kultur der Digitalität: es lohnt sich, bei der rePublica18 dabei zu sein –  vor Ort wie virtuell.