Zu Besuch beim CISPA in Saarbrücken

CISPA Bau in Saarbrücken
Bildrechte: T.Z.

Am Tag nach dem Buß- und Bettag hatte ich Gelegenheit, in Saarbrücken den jüngsten Sproß der Helmholtz-Gemeinschaft zu besuchen: 2011 als Center for Internet Security, Privacy und Accountability gegründet, ist das CISPA – Center for Information Security – dabei, zum 1. Januar 2019 das neunzehnte Vollmitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren zu werden.

Wo momentan in einem Bau 120 Forscher*innen* im Bereich von Cybersicherheit und Datensicherheit arbeiten, werden mit einem Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro binnen zehn Jahren 500 Forscher*innen* in neun Gebäuden tätig sein! - Ein Zeichen dafür, dass die Politik das Gebiet der Cybersicherheit inzwischen sehr ernst nimmt.

Als ich mich dem Eingangsbereich des lichtdurchfluteten Gebäude des CISPA nähere, kommt mir bereits Professor Andreas Zeller entgegen. Wir sind verabredet, damit ich Einblick in die Arbeit eines preisgekrönten Forschers im Bereich der Softwaresicherheit erhalte.  Seit rund 20 Jahren erforscht Andreas Zeller, wie man Softwarefehler mit Hilfe von Rechenkraft verhindern kann. Automatisierte Verfahren zur Fehleranalyse liefern Hinweise auf mögliche Fehlerquellen und sollen so beispielsweise dazu helfen, in Zukunft vernetzte Autos gegen mutwillige Hackerangriffe zu schützen.

In unserem Gespräch hält sich Andreas Zeller nicht lange bei der Beschreibung der Testtechniken zur Schwachstellenanalyse auf. Ihn treibt die ethische Frage nach Grenzen der rechnergetriebenen Automatisierung um: Natürlich befreie die Informatik von stumpfen und repetitiven Tätigkeiten. Aber braucht es nicht rechtzeitig Grenzen, wenn im nächsten Schritt auch geistig anspruchsvolle Tätigkeiten von Maschinen ersetzt werden und Roboter künftig als selbstlernende Systeme so etwas wie Einfühlungsvermögen entfalten können? Nicht für diese Generation, wohl aber für die seiner Kinder und Enkelkinder sieht Andreas Zeller die Gefahr, dass es vermeintlich bequem ist, als Mensch Verantwortung an scheinbar objektiv entscheidende Maschinen abzugeben und so das Wesen des Menschen als freies Individuum durch die schleichende Verlagerung von Verantwortung aufs Spiel zu setzen. Damit nicht genug: Der Schritt vom selbstfahrenden Auto zum autonomen Panzer ist informationstechnisch klein, doch ethisch ungeheuer. Deshalb brauche es dringend verbindliche Grundsätze, um möglichen destruktiven Potentiale der Entwicklung maschinellen Lernens Einhalt zu gebieten.

Merke: Informationssicherheit ist eine technische und eine moralische Aufgabe. Im modernen Institutsbau in Saarbrücken formulieren Softwareforscherinnen und -forscher die Fragen, denen wir uns als Gesellschaft und Kirche stellen müssen, um den technologischen Fortschritt human zu gestalten.