Ethische Standards im Roboterjournalismus

M. Kaiser u. T. Zeilinger beim Vortrag
Bildrechte: Foto: Gabriele Hooffacker

Die Medien und die Wahrheit: Mit dieser grundlegenden Frage befasste sich das diesjährige Treffen des Netzwerks Medienethik und der Fachgruppe Medienethik der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft in München. Dazu gehörten Fragen von KI und  algorithmischer Aufbereitung von Information. Für Markus Kaiser, Professor für angewandten Journalismus an der Ohm-Hochschule Nürnberg, und mich war die Tagung Anlass, uns mit der Frage zu beschäftigen, wie es im Blick auf Roboterjournalismus um ethische Standards bestellt ist: Ob bei Fußballspielen, bei Börsendaten, oder beim Wetterbericht: immer häufiger werden Algorithmen eingesetzt, um aktuelle Daten automatisiert zu einem Beitrag (z.b. In einem Live-Ticker aufzubereiten und zu veröffentlichen.
  
Zu Beginn unserer Sichtung der Frage stellten wir fest, dass sich die Ingenieure im Blick auf Fragen Künstlicher Intelligenz inzwischen intensiv mit der Frage von ethischen Standards befassen
- und das sogar für journalistische Themen tun. Wir wollten unsererseits herausfinden, wie die professionelle Zunft, die mit Roboterjournalismus arbeitet, das Thema sieht. Dazu führten wir im Januar dieses Jahres bei ca. 120 Journalist*inn*en aus dem deutschsprachigen Raum eine Befragung durch.
Ein Ergebnis, das uns wenig überraschte: Die deutliche Mehrheit (80%) spricht sich dafür aus, automatisch erstellte Texte zu kennzeichnen und dies auf standardisierte Weise zu tun. Um so mehr überraschte uns, dass wir auf die Frage, wie eine solche Kennzeichnung vorgenommen werden sollte, keinerlei Vorschläge erhielten. Auch die Frage, ob den Journalist*innen Aktivitäten für die Regulierung bekannt seien, blieb durchgängig unbeantwortet. Lediglich sieben Personen nannten Institutionen, die eine solche Kennzeichnung durchführen sollte (4x Presserat, je 1x Gesetzgeber, Redaktionsstatut und Redaktion).

Balkendiagramm
Bildrechte: MK u TZ @FAU

Ein interessantes Ergebnis förderte die Auswertung der Untersuchung noch an einer anderen Stelle zu Tage: Auf die Frage, ab wann Roboter im deutschsprachigen Journalismus eine wichtige Rolle spielen würden, rechnen die an der Befragung beteiligten Ausbilder deutlich früher damit: mehrheitlich erwarten sie, dass dies bereits in ein bis zwei Jahren der Fall sein wird, während die Mehrheit der in Redaktionen oder frei tätigen Journalist*inn*en dies erst in drei bis fünf Jahren erwartet. In der Ausbildung tätige Journalist*inn*en rechnen also wesentlich schneller mit der Etablierung von Roboterjournalismus als die Kolleg*inn*en aus der journalistischen Praxis. 

Unsere kleine Umfrage zeigt, dass das Thema gesehen wird, möglicherweise aber noch ein weiter Weg zum eigenen Engagement für die Etablierung von Standards zu gehen ist. Den ergänzenden Blogbeitrag von Markus Kaiser gibt es hier. Der ausführliche Beitrag wird im Tagungsband zur Jahrestagung veröffentlicht, das Abstract unseres Beitrags findet sich schon jetzt im Book of Abstracts der Tagung.