Das Thema des wissenschaftlichen Ethos begegnete mir im August in den Vereinigten Staaten wieder: In Boulder konnte ich an der dortigen University of Colorado an der Konferenz „Media, Religion and Public Scholarship“ der International Society for Media, Religion and Culture (ISMRC) teilnehmen. Die Keynotes der Konferenz kreisten alle um die Frage, welche Rolle das Wissen und die Wissenschaft in Zeiten von Wut und zunehmender Polarisierung spielen. Die Erosion des Vertrauens in die etablierten Expertensysteme hat sich zu einem Angriff auf das professionelle Wissen ausgewachsen.
Politik
Das Magazin der SZ vom 20. Juli sowie die Berichte von NDR und WDR aus der vergangenen Woche haben eindrucksvoll gezeigt, wie sehr die die Wissenschaft selbst inzwischen mit dem Thema Fake-News zu kämpfen hat: "Raubverlage" machen sich den Publikationsdruck des Wissenschaftssystems auf höchst fragwürdige Weise zu nutze. Die Verlage veranstalten auch dubiose Kongresse und schmücken sich mit den Namen prominenter Wissenschaftler*innen. Einer dieser Namen: der der bayerischen Wissenschaftsministerin Marion Kiechle. Ob es nur ein Zufall ist, dass im von der bayerischen Staatsregierung unter maßgeblicher Beteiligung der Wissenschaftsministerin angekündigten „Bavarian Research Institute für Digital Transformation“ (BIT) zwar technische, ökonomische und rechtliche Aspekte als Schwerpunkte der Forschung benannt sind, die Ethik jedoch nicht?
