Maschinen wie Du und Ich?

Titelbild des Buches
Bildrechte: Diogenes Verlag

Künstliche Intelligenz war sicher eines der großen Themen des zu Ende gehenden Jahres. Dabei steht mir keineswegs nur der wissenschaftliche oder der gesellschaftliche Diskurs vor Augen. Zwei besonders intensive Eindrücke im Lauf des letzten Jahres verdanke ich der Kultur: Zu Beginn der Theatersaison des letzten Jahres stand im November 2019 die beeindruckende Inszenierung "Uncanny Valley" vom Stefan Kaegi in den Münchner Kammerspielen. Der Schauspieler Thomas Melle erschien dort in der Gestalt eines humanoiden Roboters auf der Bühne. Der Thomas Meile nachgebildete Roboter setzt die Gedanken des Schauspielers in Szene und zusehends wird unklar, wer da eigentlich wen spielt (Infos und Videos Münchner Kammerspiele).

Im November dieses Jahres schaffte ich es nun endlich, den aktuellen Roman von Ian McEwan zu lesen: "Maschinen wie ich". Die in Klammern hinzugesetzte Fortsetzung "und Menschen wie ihr" zeigt die Pointe des Buches aus der Feder des britischen Bestsellerautors: Der zum Leben erweckte Roboter Adam erhält nicht nur physisch einen Platz im Haushalt eines jungen Liebespaares. Er besetzt alsbald die Fantasie und die Gefühlswelt des jungen Paares. In dem Maß, in dem sich der Roboter dabei als Wissens- und Einkommensquelle für den Protagonisten des Romans erweist, entdeckt die Maschine selbst ihre eigenen emotionale Bedürfnisse.

Ian McEwans Buch zieht einen hinein in eine Geschichte, die die Grenzen von Mensch und Maschine fließend werden lässt. Indem McEwan seine Geschichte in die Zeit der achtziger Jahre zurückdatiert und in seiner Fiktion Zukunft und Vergangenheit (beispielsweise in Person des Computerpioniers Alan Turing) verschmilzt, gelingt es ihm, uns bei den aktuellen technologischen Trends den Spiegel vorzuhalten. Auch in den Beziehungen zu den Maschinen geht es um die Grundfragen menschlicher Existenz: Gefühle von Liebe und Schuld, von Haß und Vergebung machen nicht Halt vor den Geschöpfen, die menschliche Kreativität und Einfallsreichtum zum Leben erweckt.

Was mir mein Exemplar des Buches besonders wertvoll macht: Es ist von Ian McEwan handsigniert! 
Auch ohne Signatur: für jeden, der und jede, die sich für die anthropologischen Fragen im Zusammenhang der Entwicklung künstlicher Intelligenz interessiert, sei das Buch zur Lektüre dringend empfohlen! (Ian Mc Ewan, Maschinen wie ich, Zürich: Diogenes Verlag 2019)