Ende Juni fragte in der Evangelischen Akademie eine hochkarätige Runde von Forscherinnen und Forschern zusammen mit einem fachkundigen Akademiepublikum nach "Gott und Mensch im Kosmos der KI". Das Programm und die Mitwirkenden der Tagung lassen sich hier nachlesen:
https://www.eatutzing.de/veranstaltung/gott-und-mensch-im-kosmos-der-ki/.
Zur Tagung soll im ersten Halbjahr 2027 in der Reihe "Studien in Digitalen Religionen und Theologien" im Verlag Mohr Siebeck ein Buch erscheinen, das die Beiträge dokumentiert.
Katrin Richthofer, Mitarbeiterin im Bereich Gesellschaftliche Verantwortung und Ethik der ELKB, hat ihre Tagungsnotizen dem KI-Tool Perplexity zur Verfügung gestellt und sich von der KI einen Tagungsbericht erstellen lassen. Wir dokumentieren diesen im Folgenden:
Die Tagung „Gott und Mensch im Kosmos der KI“ vom 26. bis 28. Juni 2026 versammelte Theologinnen und Theologen, Ethiker, Technikfolgenabschätzer, Informatiker und Vertreter aus Kirche, Wissenschaft und Technik, um die Frage zu diskutieren, wie Künstliche Intelligenz das Menschenbild, Gottesbilder, menschliche Verantwortung und gesellschaftliche Strukturen verändert. Im Zentrum stand nicht nur die Frage, was KI technisch kann, sondern vor allem, welche Vorstellungen von Mensch, Freiheit, Macht, Körper, Religion und Zukunft mit ihr verbunden werden.
Ein wiederkehrendes Leitmotiv war die Spannung zwischen Faszination und Kritik: KI erscheint einerseits als hilfreiches Werkzeug mit enormen Potenzialen in Medizin, Kommunikation, Übersetzung und Organisation, andererseits aber als Verstärker von Machtkonzentration, Abhängigkeit, Desinformation und „Deskilling“, also dem Verlernen menschlicher Fähigkeiten. Mehrere Beiträge betonten, dass KI nicht neutral sei, sondern immer in ökonomische, politische und kulturelle Machtverhältnisse eingebettet ist.KI und Gottesbilder
Ein großer Themenblock drehte sich um die Frage, ob und inwiefern KI als „neuer Gott“ wahrgenommen oder funktional behandelt wird. Dabei wurden klassische religionskritische Linien aufgenommen: Feuerbachs Gedanke, dass Gott Projektion menschlicher Wünsche sei, Marx’ Kritik an Religion als Instrument von Macht und Beruhigung sowie Bonhoeffers Warnung vor einem Gott als bloßem Lückenfüller. Die Tagung stellte die These auf, dass viele Eigenschaften, die traditionell Gott zugeschrieben wurden — ständige Verfügbarkeit, Wissen, Trost, Antwortfähigkeit — heute auf KI übertragen werden.
Besonders deutlich wurde: KI muss nicht bewusst oder „wirklich göttlich“ sein, um religiös aufgeladen zu werden. Entscheidend ist die Wirkung auf Menschen: Wenn Systeme jederzeit ansprechbar sind, Wissen scheinbar unbegrenzt bereitstellen und emotionale Resonanz erzeugen, übernehmen sie Funktionen, die früher Religion oder Transzendenz zugeordnet wurden. Dadurch entsteht ein neuer Umgang mit Sinn, Trost und Autorität.Mensch, Körper und Endlichkeit
Ein zweites großes Thema war die Frage nach dem Menschen als leiblichem, verletzlichem und endlichem Wesen. Immer wieder wurde betont, dass KI-basierte Effizienzlogik dazu neigt, den Menschen als Informationsverarbeiter oder optimierbares System zu sehen. Dem setzten mehrere Referierende entgegen, dass gerade Leiblichkeit, Beziehung, Fehlbarkeit, Trauer, Schmerz, Erinnerung und Vergebung Wesensmerkmale menschlichen Lebens sind.
In diesem Zusammenhang wurde auch über Transhumanismus und Posthumanismus diskutiert. Die Sorge war, dass technische Erlösungsversprechen die Begrenztheit des Menschen als Mangel statt als Bedingung von Mitgefühl und Gemeinschaft deuten. Dagegen wurde herausgestellt, dass menschliche Begrenztheit nicht nur Defizit ist, sondern den Raum für Verantwortung, Solidarität und Beziehung öffnet.Macht, Öffentlichkeit und Demokratie
Ein weiterer Schwerpunkt war die politische Dimension von KI. Mehrere Vorträge zeigten, dass KI vor allem dort problematisch wird, wo sie Macht konzentriert: bei großen Plattformen, wenigen Konzernen, geopolitischen Abhängigkeiten und asymmetrischen Informationsordnungen. KI wurde deshalb weniger als eigenständiger Akteur denn als dramatischer Machtverstärker beschrieben.
Besonders kritisch war die Analyse der digitalen Öffentlichkeit: Algorithmen bestimmen Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und Reichweite, wodurch Pressefreiheit, demokratische Deliberation und gesellschaftliche Teilhabe unter Druck geraten. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass neue Formen von Abhängigkeit entstehen, wenn Staaten, Schulen, Verwaltungen oder Unternehmen sich auf wenige technische Anbieter stützen.Fehlerhaftigkeit und Verantwortung
Ein weiterer roter Faden war die Frage nach Fehlern technischer Systeme. KI wurde nicht als perfekt, sondern als fehleranfällig, schwer durchschaubar und nur begrenzt testbar dargestellt. Mehrere Beiträge machten deutlich, dass Fehler nicht nur einzelne Bugs sind, sondern systemische Risiken: Black-Box-Entscheidungen, statistische Verzerrungen, Sicherheitsprobleme und unklare Haftungsfragen.
Daraus folgte eine zentrale ethische Forderung: Gesellschaften müssen lernen, mit Fehlerhaftigkeit umzugehen, statt sich von Perfektionserwartungen täuschen zu lassen. Dazu gehören permanente Wachsamkeit, Zertifizierung, Tests, Fehlerkompetenz und die Bereitschaft, menschliche Verantwortung nicht an Maschinen abzugeben.Leitfragen der Tagung
Die Tagung kreiste immer wieder um drei grundlegende Leitfragen:
1. Welche Vorstellungen vom Menschen liegen KI-Anwendungen zugrunde?
2. Wann wird aus technischer Hilfe ein Machtinstrument oder eine Ersatzreligion?
3. Wie lässt sich Mündigkeit im digitalen Zeitalter bewahren?
Diese Fragen verbanden theologische, philosophische und technische Perspektiven. Die Debatte war dabei nicht technikfeindlich, sondern ambivalent: KI kann entlasten, helfen und neue Möglichkeiten schaffen, aber sie kann auch kritisches Denken schwächen, Abhängigkeiten fördern und das Menschenbild verengen.Ergebnis der Debatte
Am Ende stand keine einfache Antwort, sondern ein klares Spannungsbild. KI wurde weder als Erlösung noch als Untergang verstanden, sondern als mächtige, gesellschaftlich formbare Technologie, die ethische, politische und theologische Reflexion verlangt. Die Tagung plädierte dafür, KI gemeinwohlorientiert, demokratisch kontrolliert und menschenwürdig zu gestalten.
Zugleich wurde deutlich, dass die entscheidende Aufgabe nicht allein in der Regulierung von Technik liegt, sondern in der Stärkung menschlicher Urteilskraft, Bildung, Beteiligung und Verantwortung. Die menschliche Zukunft im „Kosmos der KI“ hängt damit weniger an der Frage, ob Maschinen immer klüger werden, als daran, ob Menschen ihre Mündigkeit bewahren.
