Gott und Mensch im Kosmos der KI

Tagungsplakat Tutzing
Bildrechte Evang. Akademie Tutzing

Die am Pfingstmontag veröffentlichte Enzyklika von Papst Leo XIV "Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der KI" unterstreicht, weshalb die Machtfragen ins Zentrum des KI-Diskurses gehören. Es kommt auf die Art und Weise an, wie man Technologie baut – und wer sie gestaltet.

Unabhängig von der päpstlichen Enzyklika zeigt Peter Dabrock, Theologe und Ethiker an der FAU Erlangen-Nürnberg, in einem Gastbeitrag auf dem Juni-Blog der Akademie Tutzing eindrücklich, warum es wichtig ist, KI nicht zu schnell in den Himmel zu heben, ihr also mythische oder gar göttliche Kräfte zuzuschreiben: 

KI fällt nicht vom Himmel. Sie ist keine neutrale Intelligenz aus einer unschuldigen Cloud, sondern eingebettet in Rechenzentren, Plattformen, Datenökonomien, militärische Strategien, geopolitische Konkurrenz, Finanzmacht und politische Programme. Sie ist ein soziotechnisches System. Wer über Daten, Modelle, Chips, Cloud-Infrastrukturen und Nutzungsbedingungen verfügt, verfügt über Wahrnehmungsräume, Kommunikationswege, Verhaltensprognosen und Entscheidungsarchitekturen.

Darum ist es gefährlich, KI religiös zu überhöhen. Zu affirmative Rede vom „neuen Gott“ mystifiziert, was politisch analysiert werden muss. Nicht eine göttliche Superintelligenz bedroht Freiheit und Demokratie, sondern eine irdische Machtkonzentration: die Verbindung von Tech-Konzernen, Finanzmacht, Sicherheitsinteressen und Politik, die demokratische Kontrolle eher als Hindernis denn als Bedingung legitimer Gestaltung betrachten.

KI ist kein metaphysisches Rätsel. Sie ist ein Machtverstärker. Peter Dabrock: Nicht Gott, nicht Person – Macht! – Lesen Sie hier weiter!

Gut, dass sich Kirche und Theologie im Kosmos der KI mit ihren Gedanken zu Gott und Mensch ins Gespräch einmischen. KI durchwebt unser Leben. Das verändert unsere Sicht auf uns selbst, die Welt und Gott. Wenn die Maschine denkt, was macht dann den Menschen aus? Und wenn Technologie allmächtig wird, bleibt dann Gott noch Gott? – Fragen rund um Gott, Mensch und KI widmet sich eine Tagung vom 26.-28. Juni an der evangelischen Akademie in Tutzing am Starnberger See. Mit Dr. Hendrik Meyer-Magister, seit diesem Jahr  Rektor des Studienseminars der VELKD in Pullach,  durfte ich die Veranstaltung im vergangenen Jahr planen. Gemeinsam mit Studienleiterin Alix Michell und ihm findet sie nun bald statt. Ich freue mich sehr, dass die Tagung mit all ihren namhaften Referent:innen eines der zentralen Themen unserer Zeit diskutiert. Mit Prof. Anne Foerst reist eine der Pionierinnen des Dialogs von Theologie und KI-Forschung eigens aus New York zum Gespräch an den Starnberger See. 

Hier finden Sie das Programm und die Mitwirkenden der Tagung: 
https://www.eatutzing.de/veranstaltung/gott-und-mensch-im-kosmos-der-ki/
Noch besteht die Möglichkeit, sich anzumelden. Wir freuen uns, wenn auch Sie dabei sind!